Executive Briefing | KW 9/2026 | Ausgabe #04

TOP 3 – Was diese Woche zählt

  1. Griechenland will zentrale Rolle im post-russischen Gasmarkt Europas einnehmen
    Warum wichtig: Griechenland positioniert sich strategisch als Südknoten für LNG-Importe aus den USA und baut seine Infrastruktur aus, um nach dem geplanten EU-Gas-Importstopp aus Russland bis 2027 eine Schlüsselrolle in der Versorgung Europas zu übernehmen.

  2. Debatte um Gas-Speicher: Forderungen nach nationaler Strategie und Notreserve in Deutschland
    Warum wichtig: Mit niedrigen Speicherständen steigen politische Forderungen nach klaren Strategien und möglichen Notfallreserven, da die Versorgungssicherheit als soziales und wirtschaftliches Risiko wahrgenommen wird und politische Entscheidungen den Gasmarkt stark beeinflussen können.

  3. Genehmigung einer Wasserstoffleitung bei Hamburg: Schritt in Richtung H₂-Netzintegration
    Warum wichtig: Die Genehmigung des Wasserstoff-Leitungsbaus südlich von Hamburg zeigt praktische Fortschritte bei der Schaffung physischer Infrastruktur für H2-Transport und Verteilung in Europa, was für den Hochlauf von grünem H₂ essenziell ist.

 
  • EU‑Hydrogen‑ und Gasmarkt‑Paket in Kraft – Folgefristen laufen

    Kurzfassung: Die EU-weit neuen Regeln für einen integrierten Gas- und Wasserstoffmarkt sind in Kraft und müssen bis Mitte 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. Dies betrifft Marktgestaltung, Netznormalisierung, Zertifizierungen und den Umgang mit erneuerbaren und kohlenstoffarmen Gasen.
    Hintergrund / Kontext: Das sogenannte „Hydrogen and Decarbonised Gas Market Package“ aktualisiert die alte Gasrichtlinie und integriert Wasserstoffregeln.
    Warum das wichtig ist: Nationale Gesetzesumsetzungen werden bestimmen, wie flexibel Infrastruktur entwickelt und H2-Marktakteure operieren können.
    Was du jetzt damit anfangen kannst:‍ Bereite Compliance-Roadmaps entlang transponierter Regeln vor (Marktzugang, Zertifizierung, Netznutzung). ‍
    Quellen: EU Marktregeln für Gas & H2

  • Griechenland will zentrale Rolle im EU-Gasmarkt nach russischem Ausstieg einnehmen

    Kurzfassung: Griechenland positioniert sich strategisch als Süd-Gateway für US-LNG-Importe in die EU und baut dafür seine Terminals und Korridore aus. Die Entwicklung soll Versorgungssicherheit stärken, da Russland bis 2027 vollständig aus dem europäischen Gasmix verschwinden soll.
    Hintergrund / Kontext: Die EU hat den schrittweisen Ausstieg aus russischen Gasimporten beschlossen und diversifiziert seit 2022 deutlich Richtung USA und andere Lieferländer.
    Warum das wichtig ist: Griechenlands Aktivitäten können den europäischen Gastransport und die Preisbildung nachhaltig beeinflussen.
    Was du jetzt damit anfangen kannst:‍ Bewertet Beschaffungsstrategien entlang neuer Importkorridore und LNG-Routen (z. B. zu Balkanstaaten und Mitteleuropa). ‍
    Quellen: FT – Griechenland als LNG-Hub

  • Wasserstoff-Infrastrukturentwicklung weiterhin eher im Aufbau-Status

    Kurzfassung: Laut Europe Gas Tracker 2025: Hydrogen edition befinden sich Europas H2-Infrastrukturprojekte überwiegend in frühen Entwicklungsphasen; wenige Import-/Pipelineprojekte haben definierte Zeitpläne oder FIDs, was auf Unsicherheiten im Hochlauf hinweist.
    Hintergrund / Kontext: Die Daten zeigen 12 Projekte zu Import von Wasserstoffderivaten und über 50.000 km Pipelineprojekte in der Planung, aber nur einige wenige konkrete Kapazitätsangaben.
    Warum das wichtig ist: Die „Pipeline“ gibt einen Eindruck von Ambitionen, nicht jedoch von realisierten Volumen – das wirkt auf Investoren- oder Offtake-Entscheidungen.
    Was du jetzt damit anfangen kannst:‍ Bewerte Projektportfolios nach Reifegrad und wahrscheinlicher Realisierung (FIDs, Finanzierung, Offtake) ‍
    Quellen: Europe Gas Tracker 2025 (Hydrogen)

 

Executive Takeaway

Die Gas- und Wasserstoffwelt Europas bewegt sich regulatorisch und strategisch weiter in Richtung Integration und Versorgungssicherheit. Die Positionierungsbemühungen Griechenlands im LNG-Bereich zeigen, wie Lieferströme sich neu ordnen, während die Bundesnetzagentur eine stabile Versorgungslage betont. Parallel intensiviert die EU ihre Regulierungsarbeit im Wasserstoffmarkt mit spezialisierten Foren – ein Signal, dass Marktregeln und Governance an Bedeutung gewinnen. In der Infrastruktur bleibt der Wasserstoffhochlauf überwiegend in der Entwicklungsphase, was realistische Projekt- und Investitionsplanungen weiterhin herausfordernd macht.


 
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Executive Briefing | KW 8/2026 | Ausgabe #03